Straßenbahn als Bollwerk gegen die Rote Armee
Mit dem Zweiten Weltkrieg brach auch eine Zeit der Zerstörung über die Straßenbahn ein. Bedingt des Krieges waren Treibstoffe und Autoreifen knapp, was der Straßenbahn
nochmals hohe Fahrgastzahlen bescherte (1943 = 914 Mio Fahrgäste). Zahlreiche Linien wurden als Ersatz für Autobuslinien oder zur Verstärkung dieser neu In Betrieb genommen.
Auch der
Versorgungsverkehr hatte dadurch Schwierigkeiten, etwa die Belieferung von Lebensmitteln an die Geschäfte. So wurden in den letzten Kriegsjahren Straßenbahnwagen zur Güterbeförderung herangezogen oder Personenzüge mit Anhängern
versehen. Dazu wurden zahlreiche Gleisverbindungen zu Güterbahnhöfen der Reichsbahn hergestellt.
Ab Frühjahr 1943 häuften sich die Luftangriffe der alliierten Verbände über Berlin. Berlin wurde nach und nach aus der
Luft zerstört. Neben zahlreichen Verlusten der Zivilbevölkerung wurden auch Anlagen und Fahrzeuge der Straßenbahn zerstört. Zwischen den Luftangriffen blieb immer weniger Zeit zur Beseitigung der Schäden, es fehlte an Material und
Personal. Das Bedürfnis nach Mobilität steig jedoch in der Bevölkerung, den durch die Zerstörungen wurden die Wege immer weiter. Lebensmittel sonst wenige Meter vor der Tür gekauft, mussten nun aus anderen Stadtteilen besorgt
werden. In den letzten Betriebstagen der Straßenbahn wurden Berechtigungsausweise zur Benutzung von den Behörden ausgegeben. Inwieweit diese noch Anwendung fanden ist uns heute nicht überliefert. Der letzte Betriebstag der Berliner
Straßenbahn wird um den 22. April 1945 vermutet, die Stunde Null der Straßenbahn hat begonnen.
In den folgenden Tagen bis zur bedingungslosen Kapitulation (8. Mai 1945)
verteidigten letzte deutsche Verbände die Innenstadt. Zur Verteidigung gegen die Rote Armee wurden in den Straßen Wälle aus Schutt, Schrott und nutzlos gewordenen Dingen wie auch Straßenbahnwagen errichtet, um sowjetische Panzer an der Weiterfahrt zu hindern.