Bos im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE weiter: "Beides (Lesen auf Papier und am Bildschirm) trainiert die Kompetenzen, Informationen aus Texten zu ziehen, sie zu evaluieren, Schlussfolgerungen zu ziehen, also zwischen den Zeilen zu lesen. Das Lesen von Texten im Web trainiert zudem noch die Hypertext-Fähigkeit." Er ergänzt: "Angebote, die vor allem Bilder oder Videos mit kurzen Textanmerkungen bieten, trainieren die Lesekompetenz gewiss nicht."
Die Jugend von heute trainiert online im Übrigen nicht nur ihre Lese-, sondern auch ihre Schreibkompetenz. Das Umfrageinstitut Forsa hat das im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom eben ermittelt: Zwei Drittel aller deutschen Abiturienten verschicken demnach täglich E-Mails (siehe nebenstehende Tabelle). Unter den Gebildeten in diesem Land sorgt das Netz also für einen wahrhaftigen Boom der schriftlichen Kommunikation - oder hat die Mehrheit der Generation Offline, für die Neumann spricht, täglich Briefe geschrieben? Unter Menschen mit Hauptschulabschluss liegt die Zahl der Täglich-Mailer nur noch bei dreißig Prozent, bei der Netznutzung an sich ist die Lücke noch größer (siehe Tabelle unten).
Die Menge der funktionalen Analphabeten ist in der Zeit, in der die Internetnutzung sich in Deutschland etabliert, offenbar gleich geblieben (siehe Kasten). Je niedriger jedoch der Bildungsgrad, desto höher aber das Risiko, ein Offliner mit funktionaler Lese- und Schreibunfähigkeit zu sein.
Es gibt in Deutschland also kein Papier-, sondern, wenn überhaupt, ein Bildungsproblem.