SPIEGEL ONLINE: Der Irak-Krieg galt als die große Chance für die Neokonservativen, die Richtigkeit ihrer Thesen zu beweisen. Sind sie jetzt eine historische Fußnote?
Kaplan: So einfach ist es nicht. Falls John McCain die US-Präsidentschaftswahl gewinnt, würde die Schule schnell rehabilitiert sein. Seine Berater sind genau die Leute, über die wir reden. Sein Sieg würde bedeuten, dass die Wähler eine solche Außenpolitik stillschweigend gutheißen. Aber auch Barack Obama oder Hillary Clinton können bestimmten Elementen einer Politik nicht entfliehen, die man heute als neokonservativ bezeichnet. Neokonservativ bedeutet eigentlich nur, Macht und Idealismus in der Außenpolitik zu vereinen. Es kommt nur darauf an, wie sehr man das eine zu Ungunsten des anderen betont. So gesehen, ist nicht einmal der Unterschied zwischen Bill Clinton und George W. Bush besonders groß. Was man heute Neokonservativismus nennt, ist eben in gewisser Weise besonders amerikanisch. Anders gesagt: Der Irak-Krieg war ein Rückschlag. Aber man sollte ihn nicht überbewerten. Das wäre, als hätte man nach dem Vietnamkrieg gesagt: Der Antikommunismus ist gescheitert, wir kämpfen den Kalten Krieg nicht weiter.