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mr. bolisch

mr. bolisch's Public Library

  • Wir trainieren mit unseren Daten und Verhaltensweisen die Maschinen und Algorithmen dazu, uns besser zu analysieren. Und zwar in immer mehr Aspekten unseres Seins: Längst ist nicht mehr nur das berufliche Verhalten erfassbar, auch der private und kulturelle Austausch, die Vorlieben und Konsumgewohnheiten lassen sich studieren. Das hat nun eine neue Qualität erreicht: Unser Verhalten wird emulier- und simulierbar. Das ist ein entscheidender Punkt. Maschinen können menschliche Denkleistungen und Verhaltensweisen so intensiv studieren, dass sie sie emulieren und optimieren können. Sie werden besser als die ursprünglichen menschlichen Datenzulieferer. Die sozialen Folgen sind leicht zu prognostizieren: Es sind nicht länger nur die Fließbandarbeiter, deren Job durch einen Roboter ersetzt werden kann. Es sind auch Buchhalter, Anwälte, Personalentwickler, Marketingmitarbeiter, sogar Journalisten und Wissensvermittler, also Lehrer und Professoren, die sich Sorgen um ihr berufliches Arbeitsfeld machen müssen.
  • Geistige Arbeitsprozesse sind ohnehin schon weitestgehend digitalisiert, Input und Output der Tätigkeit sind Bits und Bytes - sei es als Texte oder als Analyseergebnisse. Um einen Denkarbeiter zu ersetzen, sind keine teuren Investitionen in Maschinen - wie etwa Roboter - nötig, es gibt keine Abschreibungs- und Amortisierungsfristen für vorhandene Anlagen, die berücksichtigt werden müssen. Lediglich der Mensch vor dem Bildschirm wird durch Software im Inneren des Computers ersetzt.
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May
13
2012

  • Sloterdijk: Precht ist vom Handwerk her Journalist und als solcher Popularisator von Beruf. Ob er wirklich, wie das ZDF annimmt, zu einer Verjüngung des Publikums beitragen wird, bezweifle ich allerdings. Seine Klientel gleicht eher der von André Rieu, den hören auch vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung.
  • Sloterdijk: Was sich zudem verändert hat, ist auf der einen Seite der Moderatorentypus, auf der anderen das Spektrum der Gäste. Man sieht jetzt überall entspannte, vorzeigbare, auch bis zu einem gewissen Grad redefähige Leute – ich meine das jetzt gar nicht polemisch. Der berüchtigte hässliche Deutsche kommt im Fernsehen nicht mehr vor. Stattdessen wird eine fröhliche Anspruchslosigkeit transportiert. Der Generaltrend zielt auf die Informalisierung der Selbstaussprache. Es geht nicht mehr um Sprachkompetenz, es gibt keinen Überbaubedarf mehr. Man sieht ständig sehr sympathische Leute, nur eben irgendwie oben ohne. Bildung ist keine Bedingung mehr für einen Platz in der ersten Reihe.
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May
11
2012

  • Schon die Summe der Angriffe spricht inzwischen für die Piraten, schon die Schlichtheit der Vorwürfe. Die Piraten haben es geschafft, dass sich die Widersprüche und Unsicherheiten unserer Zeit eindrucksvoll offenbaren. Sie sind damit schon performativ eine Kraft der Aufklärung. Sie zeigen Fortschritt und Veränderung, ohne dass sie selbst Fortschritt und Veränderung sein müssen. Sie formulieren ein Problem, sie müssen deshalb noch keine Antwort haben, was natürlich für professionelle Antworthaber, die besonders gern "offene Briefe" und so weiter schreiben, schwer zu ertragen ist.

      

    Und der "1500 Autoren"-Titel "Wir sind die Urheber" zeigt ja, wie hier gedacht wird: Es ist eine Geste des Angstmachens und des Einschüchterns, eine Geste der Ab- und der Ausgrenzung. "Wir" wissen, wie es geht, "wir" schreiben Bücher und machen Kunst, "wir" sind nicht ihr. Das wirkt ein wenig wie früher auf dem Pausenhof: Klassenkeile für den Neuling und die Raucherecke nur für Oberstufenschüler.

  • Schaefer führte "Kraft und Größe" des Vereins an, das tolle Stadion und die leidenschaftlichen Fans. Aber nicht wenige dieser Fans sind dem Klub in ihrer total verirrten Auffassung von Treue und Glauben zur Plage geworden. Die Kraft, die im Verein steckt, hat er nahezu mutwillig zur Selbstzerstörung verwendet.
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