Dem Zeitalter der Globalisierung, so befürchten Kritiker, droht die Gefahr eines Werteimperialismus - in dem Sinne, dass die westlichen, oft sogar nur amerikanischen Werte allen anderen Kulturen der Welt aufgezwungen werden. Träfe diese Befürchtung ein, wäre die Lage fatal. Denn ein Werteimperialismus verletzt die Selbstachtung der anderen Kulturen, gibt also einer Gewaltbereitschaft im Namen kultureller Selbstverteidigung ein bestimmtes Recht. Ein Werteimperialismus widerspricht aber schon einem Grundwert des Westens, der überdies das Potenzial zur universalen Geltung in sich birgt - der Gerechtigkeit. Der Kern dieses Wertes, die Gleichbehandlung, schließt nämlich die Gleichberechtigung der verschiedenen Kulturen ein - vorausgesetzt, dass sie zu einer friedlichen Kooperation bereit sind.