This link has been bookmarked by 1 people . It was first bookmarked on 15 Jun 2008, by Dripa B.
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15 Jun 08
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wir teilen alle ein Wirtschaftssystem. Und in dem Maß, wie wir darin einen Gutteil unseres Geldes verdienen, übernehmen wir für die Verlierer eine Mitverantwortung. Und weil das von uns gewollte Wirtschaftssystem bestimmte Gruppen ausbeutet oder ihnen den Zugang zum Markt verwehrt, tragen wir Mitschuld an ihrer Armut.
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ZEIT: Es gibt Nächstenliebe, keine Fernstenliebe.
Gosepath: Es geht nicht um Liebe, es geht um moralische Pflichten. Du sollst helfen – diese Pflicht gilt weltweit. Immanuel Kant hat uns klargemacht, dass es ein Gebot ist, anderen Menschen, die unverschuldet in Not gekommen sind, zu helfen.
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Das Bild von Siegern und Verlierern ist unangebracht. Sieger und Verlierer gibt es im Sport, aber dort gibt es faire Startbedingungen, und jeder lässt sich freiwillig auf das Spiel ein. Die Globalisierungsverlierer hingegen haben sich die Spielregeln nicht selbst ausgesucht, und das »Spiel« ist auch nicht fair, denn die Chancen sind ungleich verteilt.
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ZEIT: Wirtschaft hat nichts mit Moral zu tun.
Gosepath: So denken leider viele. Sie glauben, die Ökonomie sei himmelweit von unserem sonstigen moralischen Leben unterschieden. Ganz falsch ist diese Sicht ja nicht. Wenn der Ökonom Hayek sagt, die Wirtschaft sei nicht gerecht, dann stimmt das. Doch daraus folgt kein Freibrief, der Markt ist nichts Naturwüchsiges. Wir müssen die Bedingungen bestimmen, unter denen er sich entfaltet.
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ZEIT: Ihre Moral ist die westliche Moral.
Gosepath: Klar, der Einwand kommt immer. Die Menschenrechte haben sich längst zum globalen moralischen Standard entwickelt. Für alle Kulturen ist der Mensch ein verletzliches Wesen mit bestimmten Schutzbedürfnissen.
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Die EU, aber auch die USA subventionieren viele ihrer Produkte und verhindern fairen Wettbewerb. Plötzlich gilt die marktliberale Logik nicht mehr. Wir erheben Importzölle, um unsere Industrie zu schützen. Das ist schon nach unseren eigenen Kriterien unfair.
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ZEIT: Aber die UN repräsentieren die Weltgesellschaft nur sehr unvollständig.
Gosepath: Deshalb sollten die Stimmrechte im Sicherheitsrat neu verteilt und mehr Mitglieder aufgenommen werden. Auch müssten die UN ihr Aufgabenfeld erweitern, denn die Themen Klima und Gerechtigkeit sind überlebenswichtig.
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Viele G8-Mitglieder sprechen anderen Organisationen gern die Regelungskompetenz ab, während sie selbst alles bis ins kleinste Detail steuern. Also: Nicht transnationale Regelungen sind das Problem. Das Problem ist, wer die Regeln setzt. Es ist unfair, wenn acht Länder den Rest der Welt regieren.
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Man muss Bildung und Ernährung koppeln und Lebensmittel in Schulen verteilen. Und dann müssen wir aufhören, korrupte Regime zu fördern. Es ist absurd, dass Despoten Kredite aufnehmen dürfen, um sie privat zu verschwenden, während ihr Volk dafür haftet.
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Ich rede nicht von einem Weltstaat, sondern von Weltinnenpolitik. Wenn ein Weltstaat despotisch wird, gibt es keine Fluchtmöglichkeit mehr. Lange Zeit sah es so aus, als gebe es nur die Alternative Weltstaat oder Staatenbund. Heute sieht man, dass Herrschaft nicht mehr nur an den Einzelstaat gekoppelt ist, sondern sich internationalisiert. Es gibt die EU, die WTO, die OECD und so weiter.
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Es ist für die Einzelstaaten zu einer zentralen Aufgabe geworden, bei der richtigen Internationalisierung von Herrschaft mitzumachen.
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