This link has been bookmarked by 3 people . It was first bookmarked on 04 Jul 2008, by Peter Panter.
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04 Jul 08
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In München tun das Lehrer immer häufiger. Wenn die Klasse ihnen nicht mehr zuhört. Wenn die permanenten Störungen und der nie abschwellende Lärmpegel einen Unterricht, der das Wort verdient, nicht mehr zulassen, Mobbing und Gewalt das Klima der Gemeinschaft vergiften. Wo heute eben die Probleme liegen an deutschen Schulen, zumal an so genannten Brennpunktschulen. So vielfältig die Ursachen auch sein mögen – allzu häufig sind „ausstrahlende Konflikte“ der Grund für die Blockade des Unterrichts, wie es Sozialpädagogen ausdrücken. Was man sich in der Klasse 9a der Hauptschule im Münchner Stadtteil Milbertshofen mit seinem Ausländeranteil von 65 Prozent unter diesem Ausdruck vorzustellen hat, begreift man, je länger das Spiel „Hadda Budda“ dauert.
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Im Unterricht führte das dazu, dass „das Klima in der Klasse nicht mehr stimmte“, sagt Ilselore Hergel, die Lehrerin, die auch die Konrektorin der Schule ist. Sie spürte eine wachsende Lern-Unlust. Der Grund dafür war ihrer Meinung nach, dass eine Gruppe von Jungen sich abkapselte hatte, die anderen fühlten sich ausgeschlossen. „Gruppenarbeit ging nicht mehr, nur noch sturer Frontalunterricht“, erzählt Ilselore Hergel. Ausgerechnet in den letzten Monaten vor den Prüfungen für den qualifizierten Hauptschulabschluss stellte die Lehrerin fest, dass viele Schüler unter ihren Möglichkeiten zu bleiben drohten. „Ich fühlte mich in meiner Arbeit behindert.“
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Null-Bock-Klassen nennt Dagmar Cordes sie.
Die Pädagogen-Gruppe gerät in eine Diskussion, ob man solche Schüler überhaupt erreichen kann. „Sie haben einfach keine Lust zu lernen“, sagt Christian Dünhuber. „Weil die meisten keine Lust haben, Fleischereifachverkäuferin zu werden, und andere Pläne haben.“ Unerfüllbare. „Sie denken, sie seien nichts wert.“ Einen Augenblick schweigt die Gruppe, ratlos. „Das ist nicht euer Problem“ sagt Dagmar Cordes entschieden. „Ihr seid nicht die Sozialarbeiter der Nation.“
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In München kommen die von seiner Organisation geschulten Berater zum Einsatz, wenn plötzlich das Wort von den „schrecklichen Klassen“ die Runde macht. Klassen, „in die eigentlich kein Lehrer mehr reingehen will“, erklärt Cordes nach der Sitzung. Mittlerweile leistet sich die Stadt München an 48 Brennpunktschulen Schulsozialarbeiter.
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Nicht vorbereitet auf eine Vielzahl von Kindern aus sozial belastetenen Familien, die unterschiedlichsten Nationalitäten und Religionsgemeinschaften angehören. In der Schule treffen sie aufeinander, und es knallt. Umstände, wie sie verstärkt an Haupt- und Berufschulen anzutreffen sind.
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Kindern, für die jede Meinungsverschiedenheit ein Streit ist. Sie haben keine Regeln und kein Instrumentarium, sich ohne Gewalt auseinanderzusetzen. Konflikttraining ist für ihn auch Nachhilfe in den Grundfächern Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität, Teamfähigkeit. Das, was Arbeitgeber heutzutage voraussetzen.
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Dünhuber, schlank und sportlich, sprüht nur so vor Tatendrang. Wie er da entspannt in einem Münchner Szenecafé sitzt, wirkt er wie jemand, der sich durch nichts aufhalten lässt. Er ist offenbar beseelt von seinem Beruf als Lehrer. Und ausgerechnet einer wie er soll besonders burn-out-gefährdet sein? Ein Lehrer lebt davon, dass seine Schüler sich wohl fühlen, sagt Dünhuber. Und dass sie etwas lernen, etwas mitnehmen wollen. „Ein Lehrer ist abhängig davon, ob etwas zurückkommt. Ignoranz ist immer eine Bestrafung für den Lehrer.“
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Gerade Lehrer, die viel erreichen wollen in ihrem Beruf, entwickeln leicht ein „chronisches Vergeblichkeitsgefühl“, sagt Joachim Bauer, Professor an der Abteilung für psychosomatische Medizin an der Uniklinik in Freiburg. Aus der Perspektive des Lehrers klingt das ungefähr so: Was ich hier tue, macht keinen Sinn mehr. Ich erreiche meine Schüler nicht. Bauer hat untersucht, was Lehrer an Gymnasien krank werden lässt: Burn-out – die permanente Erschöpfung, die Depressivität und Angstzustände nach sich zieht. Und körperliche Beschwerden, für die es keine „organischen Befund“ gibt: das Leiden aus dem Nichts, Schwindelgefühle, Herzrasen, chronische Schmerzen. 33 Prozent von 400 befragten Gymnasiallehrern in Südbaden erfüllten die Kriterien für das Burn-Out-Syndrom.
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zu große Klassen und destruktives Schülerverhalten
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Lehrer müssen sich gegenseitig mehr unterstützen
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Noch immer haben viele Lehrer nicht begriffen, dass eine schwierige Klasse nicht „das Versagen des Lehrers ist“, sagt auch die Münchner Konflikt-Expertin Dagmar Cordes.
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jeder Lehrer müsse allein „seine Klasse im Griff haben“. Ei
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Das Klima ist deutlich besser geworden. Gruppenarbeit ist wieder möglich. Und die Klasse bleibt freitags eine Stunde länger, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Freiwillig. Und gemeinsam.
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