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22 Apr 08
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Die "Initiative Printpresse" will die Tageszeitung auf Papier retten. Mit Unterstützung der Bundesregierung fordert sie eine Rückbesinnung aufs Gedruckte - und erklärt nebenbei die Jugend von heute für dumm und lesefaul. Dabei erlebt das Schriftliche durch das Netz einen wahren Boom.
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Bos im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE weiter: "Beides (Lesen auf Papier und am Bildschirm) trainiert die Kompetenzen, Informationen aus Texten zu ziehen, sie zu evaluieren, Schlussfolgerungen zu ziehen, also zwischen den Zeilen zu lesen. Das Lesen von Texten im Web trainiert zudem noch die Hypertext-Fähigkeit." Er ergänzt: "Angebote, die vor allem Bilder oder Videos mit kurzen Textanmerkungen bieten, trainieren die Lesekompetenz gewiss nicht."
Die Jugend von heute trainiert online im Übrigen nicht nur ihre Lese-, sondern auch ihre Schreibkompetenz. Das Umfrageinstitut Forsa hat das im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom eben ermittelt: Zwei Drittel aller deutschen Abiturienten verschicken demnach täglich E-Mails (siehe nebenstehende Tabelle). Unter den Gebildeten in diesem Land sorgt das Netz also für einen wahrhaftigen Boom der schriftlichen Kommunikation - oder hat die Mehrheit der Generation Offline, für die Neumann spricht, täglich Briefe geschrieben? Unter Menschen mit Hauptschulabschluss liegt die Zahl der Täglich-Mailer nur noch bei dreißig Prozent, bei der Netznutzung an sich ist die Lücke noch größer (siehe Tabelle unten).
Die Menge der funktionalen Analphabeten ist in der Zeit, in der die Internetnutzung sich in Deutschland etabliert, offenbar gleich geblieben (siehe Kasten). Je niedriger jedoch der Bildungsgrad, desto höher aber das Risiko, ein Offliner mit funktionaler Lese- und Schreibunfähigkeit zu sein.
Es gibt in Deutschland also kein Papier-, sondern, wenn überhaupt, ein Bildungsproblem.
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Das wahre Problem, und das wissen vermutlich auch die Initiatoren der "Initiative Printpresse", liegt ganz woanders: Anzeigen auf Papier sind im Augenblick noch deutlich teurer als Anzeigen auf Webseiten. Der Wandel von analog zu digital bringt keine primär gesellschaftliche, sondern eine primär wirtschaftliche Schwierigkeit mit sich: Guter Journalismus ist teuer, und Online-Journalismus rechnet sich zu den derzeitigen Marktpreisen nur in einigen wenigen Fällen. Das ist ein Problem - aber man löst es gewiss nicht, indem man die weglaufende Zielgruppe fortwährend der Dummheit bezichtigt. Das ist eine Position, die in Deutschlands Medien derzeit öfter zu hören ist.
Der Kampf gegen die Veränderung, den die an den Hebeln sitzende Klasse dieses Landes im Moment mit vereinten Kräften zu führen scheint, sieht von außen verdächtig nach einem Kampf gegen jene aus, für die das Netz zum Alltag gehört. Wie nur sollen sich die Jungen von einer Politik und einer Presse vertreten fühlen, die sie immer wieder für lesefaul und desinteressiert erklärt? Und das auch noch unter Zuhilfenahme von offensichtlich falschen Argumenten?
Am härtesten betroffen sind von der Papierkrise übrigens Medien, die Kulturstaatsminister Neumann vermutlich nicht auf dem Zettel hatte, als er von "gesellschaftlichen Debatten" und "öffentlicher Kommunikation" sprach. Die härtesten Einbußen erlebten im Jahr 2007 Erotikblättchen (Beispiel "Coupé" - Auflage minus 31 Prozent) und Computerspielzeitschriten (Beispiel "Gamestar" - Auflage minus 25 Prozent). Was vermutlich nicht daran liegt, dass sich für diese Inhalte plötzlich keiner mehr interessiert. Sondern daran, dass die Nutzer ins Netz abwandern. Woran keine Initiative etwas ändern wird.
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Die "Initiative Printpresse" will die Tageszeitung auf Papier retten. Mit Unterst�tzung der Bundesregierung fordert sie eine R�ckbesinnung aufs Gedruckte - und erkl�rt nebenbei die Jugend von heute f�r dumm und lesefaul. Dabei erlebt das Schriftliche durch das Netz einen wahren Boom.
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