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08 Nov 08
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Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit hat eine größtenteils weiße Nation einen schwarzen Mann in ihr höchstes Amt gewählt. Und die kulturelle Bedeutung dieser bisher einmaligen Konvergenz von dunkler Haut und ultimativer Macht wird wohl – wenigstens eine Zeit lang – zur nationalen Obsession werden. Tatsächlich wird die Präsidentschaft Obamas für alle Zeit als Allegorie gelesen werden. Schon wir Zeitgenossen sind auf ihre kulturelle Bedeutung genauso gespannt wie auf ihren politischen Stellenwert.
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Zwillings-Stigmata
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Schwarze an sich unterlegen und Weiße an sich rassistisch
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Und doch war ein Element von Barack Obamas Erfolg, dass er den Idealismus als politischen Muskel gebrauchte. Sein Talent bestand darin, eine idealisierte Vision eines post-ethnischen Amerikas zu entwerfen – und diese Vision dann zur Definition politischen Anstands zu machen.
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Obamas besonderes Charisma
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dem ethnischen Idealismus
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Seine Ansichten zur Wirtschaftspolitik verdankten sich den Umverteilungsgrundsätzen eines altmodischen Keynesianimus; seine sozialen Überlegungen waren recycelte „Great Society“. Aber diese politischen Textbausteine wurden durch den träumerischen post-ethnischen und post-ideologischen Kitsch aufgefrischt, in die er sie hüllte – den Hauch des „Wandels“.
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Sehnsucht der Weißen, dem Stigma des Rassismus zu entkommen
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wusste Obama intuitiv, dass er es mit einem stigmatisierten Volk zu tun hatte. Er wusste, dass Weiße als vorurteilsbeladen stigmatisiert waren und dass sie diesen Zustand hassten und sich nach Wegen, das Stigma zu widerlegen, buchstäblich sehnten.
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Obamas post-ethnischer Idealismus versprach den Weißen, was sie hören wollten: Amerika habe den Rassismus so weit eingedämmt, dass er nicht länger ein ernsthaftes Hindernis für den Aufstieg von Schwarzen sei.
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So von Obama entzückt, wurden die Weißen seine politische Basis. Es war Iowa – zu 95 Prozent weiß –, das ihn zum Mitbewerber machte. Die Schwarzen hingegen wurden ihm erst beschert, als er genug weiße Wähler gewonnen hatte, um als plausibler Kandidat zu gelten
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Beispielsweise glaube ich, dass Colin Powell womöglich zum Präsidenten gewählt worden wäre, wäre er 1996 gegen einen eher schwachen Bill Clinton angetreten
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Amerika in ethnischen Fragen so dramatisch Fortschritte
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dass die Weißen weniger Wandel von Obama wollen als vielmehr den Beleg für einen Wandel, der bereits stattgefunden hat
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Doch was ist mit den schwarzen Amerikanern? Wird Obamas Präsidentschaft uns endlich über die Jahrhunderte alte Kluft der Entfremdung zu der Erkenntnis führen, dass Amerika wirklich unsere Heimat ist?
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Realität jedoch ist die tiefgreifende Ungleichheit zwischen schwarzen und weißen Amerikanern, die auch im leuchtenden Schein einer Präsidentschaft Obamas fortbestehen wird.
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Beim School Assessment Test (einem universitären Aufnahmeverfahren, d. Red.) schnitten die Schwarzen im Jahr 2000 schlechter ab als noch 1990
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55 Prozent aller bundesstaatlichen Häftlinge sind schwarz, obwohl wir nur 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen
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Es ist eine kulturelle Gewohnheit Amerikas, die ethnischen Spannungen auszuhalten, indem es periodisch auf kleinen Inseln frischer Hoffnung landet.
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Präsidenten folgen der Kultur; sie gehen ihr nicht voran. Ich hoffe auf einen kompetenten Präsidenten.
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